Dresden

Spaziergänge + Wanderungen

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Im Bann von Kreativität und Sport

Die verwirrende Straßenbahnfahrt.

Die Mittagsstunde hatte ihren Höhepunkt längst überschritten, als ich die Gabel auf den leeren Teller legte. Eine Hühnerkeule mit Kartoffeln und Gemüse, nichts Besonderes, aber der Magen war zufrieden. Draußen schob sich die Sonne durch die Wolken, warf Licht auf die Hausfassaden der Johannstadt. Ein kurzer Kaffee, dann ging es hinaus. Die Straßenbahn der Linie 6 sollte mich nach Blasewitz bringen. So war der Plan. Aber Dresden mag Pläne nicht. Kurz nach dem Einstieg kündigte ein Lautsprecher eine Umleitung an. Die Bahn schüttelte die Route ab wie einen nassen Mantel. Plötzlich hieß die Anzeige nicht mehr 6, sondern 12. Ein stiller Schwindel. Die Fahrgäste zuckten kaum mit den Wimpern. Sie kannten das Spiel. Ich ließ mich treiben, eine Runde um Johannstadt-Süd, vorbei an Hinterhöfen, die nach feuchter Wäsche und altem Holz rochen. Der Fetscherplatz tauchte auf, ein Kreisverkehr aus Beton und Straßenbäumen, deren Blätter im Wind zitterten. Hier stieg ich aus. Nicht da, wo ich hinwollte, aber irgendwo. Ein guter Ort für einen Neuanfang.

Am Freiberger Platz.

Der Freiberger Platz öffnete sich vor mir, eine weite Fläche aus hellem Stein. In der Mitte der Schwimmsportkomplex, eine gläserne Kiste voller blauem Wasser. Durch die großen Fenster sah ich Gestalten unter der Wasseroberfläche gleiten, Arme hoben sich, Körper drehten sich. Das Klatschen von Füßen auf den Fliesenboden drang durch die geöffnete Tür nach draußen. Eine Frau in einem roten Badeanzug stand am Drei-Meter-Brett, ließ die Arme kreisen, sprang. Ihr Körper schnitt das Wasser, kaum ein Geräusch. Ein Junge am Beckenrand klatschte. Der Geruch von Chlor lag in der Luft, scharf und rein, vermischt mit dem Duft von Sonnencreme, der von der Terrasse eines nahen Cafés herüberwehte. An der Haltestelle stand ein Schild: Schwimmhalle Freiberger Platz. Die größte Anlage für Wasserspringen in Dresden, las ich. Ich blieb stehen, beobachtete die Springer, die ihre Bahnen zogen, und dachte an die Anstrengung, die in jedem Armzug steckte.

Wasserspringen und Bronzeplastik.

Ein Blick nach oben, zum Dach der Sprunghalle. Dort thronte sie. Eine lebensgroße Bronzeplastik, die Arme erhoben. Ingrid Krämer. Die Wasserspringerin, die in den Sechzigern Gold holte, in Rom, in Tokio. Der Bildhauer Hans Steger hatte sie 1968 in dieser Haltung auf das Dach gehoben, gleich wird sie springen. Das Metall glänzte matt im Nachmittagslicht, die Konturen des Körpers weich, fast verschliffen. Die Sonne warf einen langen Schatten über das Dach. Ein Vogel setzte sich auf den ausgestreckten Arm, pickte an einer unsichtbaren Stelle, flog davon. Die Plastik bewegte sich nicht. Sie schien zu warten. Auf den nächsten Sprung, auf den nächsten Applaus. Von unten sah sie aus wie ein stiller Wächter über dem Platz, der das Wasser und die Menschen beobachtete. Ich fragte mich, wie viele Besucher hier schon vorbeigegangen waren, ohne den Blick zu heben. Eine ältere Dame mit einem Einkaufswagen blieb stehen, sah kurz hinauf, nickte, zog weiter. Sie kannte den Namen. Vielleicht hatte sie Ingrid Krämer selbst springen sehen.

Vergessene Lichtspiele.

Neben dem Schwimmkomplex, hinter einem Bauzaun, der schon etwas schief stand, fand ich ein verblasstes Schild. Hier befand sich einst das Campaneta-Theater, stand da, die Nummer 37 des Freiberger Platzes. Kein Gebäude mehr. Nur eine Lücke zwischen den Häusern, ein Stück Himmel, der durch die Baustelle schien. Ein paar Straßen weiter, an der Ecke zur Freiberger Straße, hätte das Vaterland-Lichtspiele Colosseum sein sollen. Ein Kino, von dem nur noch der Name übrig ist. Ich stellte mir vor, wie hier früher die Menschen standen, in langen Mänteln, die Zigaretten im Mundwinkel, die Plakate zeigten schwarz-weiße Gesichter. Das Knirschen des Kieses unter ihren Schuhen, das Summen der Neonröhren. Jetzt wuchs Unkraut aus den Rissen des Gehwegs. Ein Warnschild am Zaun sprach von einer Treppe, die im Winter nicht benutzt werden sollte. Ich bückte mich, sah durch ein Loch im Bretterverschlag. Nichts als Geröll, eine verrostete Metallstange, ein alter Schuh. Die Stille war so dicht, dass sie zu dröhnen schien. Diese verlorenen Orte, sie flüsterten noch. Aber ich verstand kein Wort.

Die Annenkirche und Anna Churfürstin.

Weiter ging es die Alfred-Althus-Straße entlang. Die Evangelische Annenkirche tauchte auf, ein Backsteinbau mit einem schlanken Turm, der sich in den Himmel bohrte. Vor dem Portal stand das Denkmal von Anna Churfürstin von Sachsen. Eine steinerne Frau, den Blick nach unten gerichtet, die Hände gefaltet. Der Sandstein war rau, die Nase abgewittert. Ein paar Blätter hatten sich in der Armbeuge gesammelt. Ich setzte mich auf eine der Sitzbänke zwischen den Bäumen. Die Blätter raschelten im Wind, ein leises, trockenes Geräusch. Eine Möwe flog über den Platz, ihr Schrei klang wie ein knarrendes Tor. Die Sonne stand jetzt tiefer, die Schatten wurden länger. Ein junger Mann mit Kopfhörern lief vorbei, sein Körper bewegte sich im Rhythmus einer Musik, die ich nicht hören konnte. Auf der anderen Straßenseite die Seniorenbegegnungsstätte der Volkssolidarität. Zwei ältere Herren saßen auf einer Bank, redeten, lachten. Ihre Stimmen klangen heiser, aber lebendig. Im Vorgarten des Elsa-Fenske Seniorenheims entdeckte ich ein hölzernes Haltestellenhäuschen. Eine Bank darunter, ein Aschenbecher. Aber keine Gleise, keine Straßenbahn. Ein stilles Denkmal für die Mobilität, die hier nie mehr halten würde.

Das Heizkraftwerk als Kulturhotspot.

Der Weg bog nach links, vorbei an einem ehemaligen Heizkraftwerk. Die Backsteinmauern waren hoch, die Fenster weit. Heute kein Rauch mehr aus den Schloten. Stattdessen klang Musik aus einem offenen Tor. Die Staatsoperette Dresden hatte hier ihre Heimat gefunden, und das Theater der jungen Generation gleich nebenan. Der Klang einer Geige mischte sich mit dem Lachen von Schulklassen, die aus einer Vorstellung strömten. Ein Mädchen mit einem roten Kleid hüpfte die Stufen hinunter, ihre Zöpfe flogen. Der Geruch von frischer Farbe hing in der Luft, von Holz und Scheinwerferhitze. Ein Schauspieler in schwarzer Kleidung stand auf dem Bürgersteig, eine Tasse Kaffee in der Hand, studierte seinen Text. Seine Lippen bewegten sich lautlos. Ein Regisseur rief aus einem Fenster im ersten Stock. Hier pulste das Leben, anders als an den verlorenen Kinoplätzen. Kreativität, sichtbar und greifbar. Ich blieb vor einem schwarzen Schild stehen, auf dem goldene Buchstaben prangten: Theater der jungen Generation. Ein Ort, an dem Geschichten entstehen, bevor sie auf die Bühne kommen. Der Abend würde sie füllen. Jetzt war noch Vorbereitung.

Dedrophon Lichtspiele am Wettiner Platz.

Der Spaziergang neigte sich dem Ende zu. Der Wettiner Platz lag ruhig im Abendlicht. Die ehemaligen Dedrophon-Lichtspiele in der Wettiner Straße 34, ein verstecktes Juwel, wie es in einem alten Reiseführer geheißen hätte. Die Fassade war verputzt, die Fenster blind. Ein kleines Schild über der Tür trug noch den Namen, aber die Buchstaben waren ausgebleicht. Ich trat näher, legte die Hand auf die kalte Klinke. Verschlossen. Durch einen Spalt im Vorhang sah ich Stühle, aufgestapelt, eine Leinwand, die heruntergelassen war. Staub tanzte in einem Lichtstrahl. Hier hatten Menschen geweint, gelacht, sich erschreckt. Jetzt schlief das Kino. Ein Auto fuhr vorbei, der Fahrer drehte das Radio laut. Ein Schlager, der im Kino nicht gespielt worden wäre. Ich zog die Hand zurück, ging weiter.

Die grüne Ampelfrau und der Heimweg.

Der Dresden Bahnhof Mitte lag nur noch wenige Gehminuten entfernt. An einer Fußgängerampel blieb ich stehen. Das übliche rote Männchen leuchtete. Dann wechselte es auf Grün. Aber keine Ampelmännchen. Eine Ampelfrau. Mit Zopf, Rock, einem freundlichen Lächeln auf dem grünen Licht. Ich blinzelte. Kein Scherz. Sie stand da, so selbstverständlich, als hätte sie schon immer dort gewartet. Ein Passant neben mir lachte. Die ist gut, sagte er. Die gibt es nur hier. Er ging, ich blieb noch einen Moment. Die Ampelfrau leuchtete, unverwandt. Dresden und seine Überraschungen. Ich bog in die Straße ein, die zu meiner Wohnung führte. Die Abendluft roch nach warmem Asphalt und dem Duft von Abendessen aus einer offenen Küche. Ein letzter Blick zurück. Die Stadt lag in der Dämmerung, die Lichter gingen an. Morgen würde ich weitergehen. Es gab noch so viele Ecken, die ich nicht kannte. Die Klinke meiner Haustür war kalt. Ich drehte sie, trat ein. Die Stille der Wohnung nahm mich auf. Der Tag war voll gewesen. Nicht voller großer Ereignisse, aber voller kleiner Entdeckungen. Ein guter Tag.


Mit herzlichem Dank und immer unterwegs zwischen Gestern und Morgen,
Ihr berichtender Wegbegleiter und wandernder Stadtteilentdecker.

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*Der geneigte Leser möge mir nachsehen, wenn ich die Narben der Stadt nur flüchtig streife. Zwischen Bombennacht, Hammer und Sichel, rotem Stern und neuem Glanz haben sich manche Straßennamen so oft gewandelt wie die Mode, und manche Mauer steht heute dort, wo einst ein Lachen erklang. Wir wandeln hier auf Schichten der Vergessenheit, wo jede Pflastersteinrevision mehr Geschichte tilgt als sie bewahrt.

Quellenangaben:
Inspiriert von der eigensinnigen Logik Dresdner Straßenbahnlinienumleitungen und dem grünen Leuchten einer Ampelfrau.
Stadtwiki Dresden: Freiberger Platz
Theater der jungen Generation Dresden
Stadtwiki Dresden: Johannstadt

Meyers Konversations-Lexikon 3. Auflage 1874 - 1884
Wikipedia – Die freie Enzyklopädie


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