Dresden

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Der Weihnachtsmann am Körnerplatz auf Spaziergang durch das verborgene Dresden 27.12.2022

Vom Schillerplatz zum Blick auf die Elbschlösser und Luisenhof

Ich schlendere vom Schillerplatz, einem Ort, der gewöhnlich vor Geschäftigkeit nur so wimmelt, aber heute, im sanften Glanz des Wintertages ruht, gemächlich Richtung Osten. Vorbei am Café Toscana, dem gemütlichen Kleinod, mit dem Duft von frisch gebrühtem Kaffee, über das Blaue Wunder.

Das Café Toscana und seine Geschichten

das Café Toscana, eines der ältesten Cafés Dresdens, im denkmalgeschützten Eckhaus am Schillerplatz direkt am Blauen Wunder gelegen, macht die historische Tiefe dieses Ortes bewusst. Gegründet wurde das Café 1897 von Friedrich Louis Köhler, nur zwei Jahre nach der Fertigstellung der damaligen "König-Albert-Brücke", heute bekannt als das Blaue Wunder. Ein Stammgast des Cafés war einst Luise von Toscana, was dem Café seinen heutigen Namen verlieh. Über die Jahrzehnte hinweg wechselten die Besitzer, bis die Familie Eisold es 1992 übernahm, sanierte und ihm neuen Glanz verlieh, indem sie einen Wintergarten anbauten und es in einem reizenden Wiener Stil präsentierten.

Das Café Toscana ist für seine Eierschecke berühmt, die außerhalb Sachsens nirgendwo so authentisch zu finden ist, und ebenso für seine lange, tief mit der kulturellen Entwicklung Dresdens verwobene Geschichte. Der heutige Name des Cafés, inspiriert durch die Erzherzogin Luise von Österreich und Gattin des Sächsischen Kronprinzen Friedrich August III., zeugt von einer reichen kulturellen und gesellschaftlichen Vergangenheit. Luise von Toscana, bekannt für ihre lebensbejahende Art und ihre Liebe zu Kaffee und Kunst, prägte das kulturelle Leben der Stadt und hinterließ ein Vermächtnis, das im Café Toscana bis heute spürbar ist.

Die Elbe breitet sich majestätisch aus, und die Elbschlösser grüßen mich aus der Ferne. Ich versuche mir vorzustellen, wie es wohl in ihren besten Zeiten ausgesehen haben mag, als prächtige Feste von wohlhabenden Industriellen und verschwenderischem Adel die Szene beherrschten.

Die mystischen Elbschlösser Dresdens

Diese architektonische Kunstwerke, erbaut im Zeitraum von 1850 bis 1861, repräsentieren die Pracht und den Reichtum einer vergangenen Ära.
Das spätklassizistische Schloss Albrechtsberg, entworfen von Adolf Lohse, einem Schüler Schinkels, war Residenz für Prinz Albrecht von Preußen und ist bekannt für eine streng symmetrische Architektur und die malerische Lage am Elbhang, die es wie einen Exoten in der barocken Architekturlandschaft Dresdens wirken lässt

Das Lingnerschloss, ursprünglich als Villa Stockhausen bekannt, zeichnet sich durch seine innovative Innenausstattung aus, die von Wilhelm Kreis und dem Maler Franz von Stuck geschaffen wurde. Es beherbergt ein Mausoleum im Park, wo Lingner, ein bedeutender Philanthrop und Geschäftsmann, beigesetzt wurde. Nach Lingners Testament, das freien Zugang zum Park und zum Schloss für die Bevölkerung vorsah, blieb das Schloss ein Ort der Kultur und des öffentlichen Lebens. Heute dient es als offenes Haus mit Café, Restaurant und bietet Raum für Veranstaltungen und Ausstellungen.

Schloss Eckberg, ebenfalls Teil der Dresdner Elbschlösser, wurde zwischen 1859 und 1861 auf Anweisung des Großkaufmanns Johann Daniel Souchay erbaut. Es ist für seine neugotische Architektur bekannt und wurde von Christian Friedrich Arnold, einem Schüler Sempers, entworfen. Ursprünglich als Villa Souchay bekannt, zeichnet sich das Schloss durch seine reiche Gliederung und einen umfangreichen Landschaftsgarten aus, der von Hermann Sigismund Neumann gestaltet wurde. Heute dient Schloss Eckberg als Luxushotel, nachdem es über die Jahre verschiedene Besitzer und Nutzungen hatte, darunter als Wohnsitz für den Süßwaren-Exportkaufmann Josef Weiser und den Unternehmer Ottomar Heinsius von Mayenburg.

Diese Schlösser sind Zeugen der Architektur- und Kulturgeschichte Dresdens, und ein Symbol für die Liebe zur Kunst und die Lebensfreude der Menschen, die hier einst lebten. Derweil ich mir vorstelle, wie prächtige Feste diese Räume mit Leben füllten, fühle ich mich für einen Moment in eine Zeit zurückversetzt, in der Könige und Künstler durch Dresden wandelten.

Heute ist freilich nicht der Tag für die üblichen Touristenansichten. Ich suche nach dem Ungewöhnlichen in dieser Stadt, die ich zu kennen glaube. Meine Füße tragen mich weiter in Richtung Grundstraße, unterhalb vom Luisenhof Dresden, der oben auf dem Elbhang thront. Von dort bietet sich ein bezaubernder Ausblick auf die Altstadt von Dresden, der so malerisch ist, dass er fast unreal wirkt, wie eine Kulisse aus einem alten Film. Es ist ein Blick für Romantikers, der zum Träumen einlädt, ein Panorama, der vergangenen Zeiten, als Könige und Künstler durch Dresden wandelten.

Die Entdeckungstour beginnt am Körnerplatz

Es ist der 27. Dezember 2022, ein Tag, eingeklemmt zwischen den Weihnachtsfeiertagen und Neujahrsvorfreude. Ein Tag, der das Chaos der Weihnachtszeit allmählich abklingen lässt. Der Körnerplatz in Dresden, ein Ort, normalerweise von Geschäftigkeit geprägt, strahlt heute gemächliche Ruhe aus. Die Luft ist erfüllt von inspirierender Stille, die Stadt hat einen Moment innegehalten. Als erfahrener Spaziergänger und selbsternannter Entdecker des Alltäglichen, spüre ich ein Kribbeln der Neugier. Dann, ziemlich unvermutet, begegne ich am Körnerplatz dem Weihnachtsmann. Er scheint ein bisschen aus der Form geraten zu sein und ist offenkundig etwas zu spät unterwegs. Aber sein freundliches Winken ist wie ein Startsignal für meine Entdeckungstour. Es ist, als würde er sagen: "Hinter den geschmückten Kulissen an der Grundstraße wartet eine Welt voller Geheimnisse auf dich." Ein LED-beleuchtete Haus am Hang zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Die "Warnungen vor Hunden" und "Privatweg betretenen verboten" klingen nach mehr Abenteuer, und ich folge dem Reiz des Unbekannten.

Der Körnerplatz in Dresden

Der Körnerplatz, benannt nach Christian Gottfried Körner, dem Vater des deutschen Dichter Theodor Körner, ist ein historischer Ort in Dresden, der als kultureller und sozialer Treffpunkt dient. Es ist ein Knotenpunkt, der das Blaue Wunder, die bekannte stählerne Brücke über die Elbe, mit Loschwitz, der Schillerstraße zum Schillerhäuschen, der Grundstraße zum Schweizerhaus und der Pillnitzer Landstraße zur Elbterrasse Wachwitz und Schloss & Park Pillnitz verbindet. Der Platz ist bekannt für seine malerische Umgebung, die Cafés, Restaurants und kleine Geschäfte beherbergt. Besonders hervorzuheben ist seine Rolle als Ausgangspunkt für Besuche der nahen Elbschlösser und als beliebter Ort für Einheimische und Touristen, um die Schönheit Dresdens zu genießen.

Ein Schnäppchenhaus und die geheimnisvolle Standseilbahn

Am Eingang des Karl-Schmidt-Wegs stoße ich auf ein Schnäppchenhaus. Eine verlockende Einladung, doch der gesperrte Weg schreckt mich ab. Die Standseilbahn gegenüber zieht mich magisch an, und ich frage mich, wohin ihre Schienen wohl führen. Der Reisende in mir sehnt sich nach neuen Horizonten, nach unbekannten Wegen.

Der Karl-Schmidt-Weg und seine Geschichte

Der Karl-Schmidt-Weg in Loschwitz, Teil des Ludwig-Richter-Weges, beginnt an der Ulrichstraße und bietet entlang seiner Route hübsche Blicke auf den Loschwitzgrund. Ursprünglich 1873 als Alpenweg von Eugen Rosenstiel angelegt und bekannt für seine malerischen Aussichten, diente der Weg schon früher als beliebter Panoramaweg. Seine Geschichte reicht von Beschwerden der Anwohner über den hohen Publikumsverkehr bis zur offiziellen Anerkennung als öffentlicher Weg. Benannt nach Karl Schmidt, einem bedeutenden Volkskundler und Architekten.

Abenteuerliche Wege und verwunschene Treppen

Die Neugier überwiegt die Vernunft, und ich entscheide mich, den verlockenden Abzweig zur Alpenstraße zu erkunden. Ein schmaler Pfad, von der Natur überwachsen, führt mich durch ein märchenhaftes Tal. Der Abstieg über Treppen und umgestürzte Bäume vermittelt das Gefühl, an einem Ort zu sein, der nur wenigen bekannt ist. Die Hütte am Hang, das Plätschern des Wassers und der Blick auf die Lichter der Eugen-Dietrich-Straße schaffen eine geheimnisvolle Atmosphäre, die mich Innehalten lässt. Hier, abseits der ausgetretenen Pfade, offenbart sich die verborgene Schönheit um die Grundstraße.

Zur Villa an der Alpenstraße und zurück

Der Weg führt mich weiter zu markanten Orten wie der Villa. Ein Abzweig zum oberen Ziegengrundweg wirft Fragen auf. Die Neugier lässt mich den Pfad entlanggehen, und bald stehen eine Treppe und ein gesperrter Weg vor mir. Der Reisende, der die Welt erkunden möchte, trifft auf Hindernisse, die ihn nicht abschrecken können. - Fortsetzung

Zwischen LED-beleuchteten Wegen und verlockenden Mülltonnen

Der Karl-Schmidt-Weg erstrahlt mit LED-Lichtern, aber eine Kette versperrt den Weg. Eine Mülltonne zieht ich den Weg hinunter, als ob sie eine eigene Reise erlebt. Die Wuttkestraße passiere ich und gelange zur Ulrichstraße, wo eine Familie mit einem Kinderwagen den steilen Weg erklimmt. Die kleinen Hürden machen den Spaziergang lebendig und erzählen Geschichten von den Menschen, die diesen Weg jeden Tag bewältigen.

Die Rückkehr zum Körnerplatz

An der Haltestelle Steglichstraße bietet der Bus Linie 61 oder 84 die Möglichkeit zur Rückkehr zum Körnerplatz. Oder weiter zum Schillerplatz? Sterne funkeln am Brunnen, und ich wähle den Weg entlang des Wachwitzer Höhenwegs. Der Anblick des Weihnachtsmanns mit Schlitten und Rentieren erinnert mich daran, dass selbst in den vertrautesten Ecken meiner Stadt Überraschungen lauern.

Reflexionen und Schlussbetrachtung

Die Tour durch das verborgene Dresden war mehr als ein Spaziergang; es war eine Reise zu den Geheimnissen meiner Heimatstadt. Jeder Schritt, jeder Blick auf unbekannte Pfade und vertraute Orte erzählte Geschichten von Vergangenheit und Gegenwart. Dieser Ausflug erinnerte mich daran, dass die wahre Schönheit oft in den verborgenen Winkeln liegt, abseits der ausgetretenen Pfade. Als Reisender erkannte ich, dass das Entdecken des Bekannten genauso aufregend sein kann wie das Erforschen ferner Länder. Der Körnerplatz, der Weihnachtsmann und die verzauberten Wege von Dresden haben mir gezeigt, dass die Welt der Entdeckungen nicht endet. Selbst in der vermeintlichen Routine des Alltags kann sich ein verborgenes Paradies verbergen.


Mit herzlichem Dank und den besten Wünschen von den weniger bekannten Pfaden,
Ihr Entdecker der Geheimnisse und Spurenleser in verborgenen Tälern.

*Der geneigte Leser möge entschuldigen, dass wir nicht erwähnen, welche Orte, Ortsnamen und Sehenswürdigkeiten im Verlaufe der vergangenen mehr als 100 Jahre, durch den ersten und zweiten Weltkrieg, viele Jahre entwickelte Sozialistische Gesellschaft und mehrerer Rechtschreibreformen verloren gingen oder geändert wurden.

Quellenangaben:
Inspiriert von den skurrilen Momenten und unterhaltsamen Beobachtungen die Dresden so einzigartig machen.
Meyers Konversations-Lexikon 3. Auflage 1874 - 1884
Wikipedia – Die freie Enzyklopädie

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