Dresden

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Ich nahm eine der

und that, als ob ich lud. Dann zielte ich in die Höhe und gab den Zweig an, von welchem fünf Galläpfel verschwinden sollten. Ich drückte fünfmal los, und die Aepfel waren […] Mehr lesen

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Im Bann des Sächsisch-böhmischen Bauernmarkts
Eine humorvolle Tour durch Dohna

Von Vitaminen und verrückten Hühnern.

Der Morgen, an dem ich beschloss, meinen Vitaminhaushalt nicht länger dem Zufall zu überlassen, begann mit dem Geruch von feuchtem Asphalt und dem fernen Klingeln einer Straßenbahn. Es war einer dieser Frühlingstage, an denen die Luft nach Aufbruch schmeckt, nach Erde, die sich langsam erwärmt, und nach der Unruhe, die in den Bäumen steckt, bevor sie ausschlagen. Ich stand an der Haltestelle in Leuben, die Hände in den Taschen einer Jacke, die zu warm war, und sah zu, wie die Stadt sich streckte. Der Himmel über Dresden hatte ein zögerliches Blau. Es war Samstag. Vor mir lag ein Ziel, das ich seit Wochen vor mir hergeschoben hatte: Kleinluga, der sächsisch-böhmische Bauernmarkt in Dohna. Ich hatte davon gehört, von Menschen, die mit leuchtenden Augen von frischen Eiern, knackigen Äpfeln und einem Hühnerhaus sprachen, das außerhalb jeder Vernunft lag. Jetzt wollte ich es selbst sehen. Ich stieg in die Bahn, und die Türen schlossen sich hinter mir mit einem sanften, endgültigen Zischen.

Der S-Bahnhof Dresden-Niedersedlitz.

Der Zug rumpelte aus der Stadt hinaus, vorbei an Kleingärten und flachen Dächern, und hielt am S-Bahnhof Dresden-Niedersedlitz, wo ich für einen Moment sitzen blieb. Der Bahnhof roch nach kalter Milch und dem Staub der letzten Nacht. Ich sah zwei Tauben, die auf dem Bahnsteig eine Brotkruste verhandelten. Eine junge Frau mit einem Fahrrad stieg ein, das Vorderrad zitterte, während sie es durch die Tür schob. Dann fuhr der Zug weiter, und die Stadt trat zurück. Ich blickte aus dem Fenster, und die Landschaft öffnete sich. Felder, noch kahl, dazwischen Obstbäume, deren Zweige in der Sonne glänzten. Der Frühling war spät dran, aber er war unterwegs. Ich dachte an den Markt und daran, dass ich mir nicht wirklich vorstellen konnte, was mich dort erwartete. Ein Bauernmarkt ist eine Bühne. Die Frage war nur, wer darauf stand.

Ankunft in Kleinluga.

In Kleinluga stieg ich aus, und der Wind schlug mir eine Wolke aus feuchter Wiese entgegen. Der Ort lag ruhig da, ein paar Häuser, eine Straße, die sich in die Felder verlor. Ich folgte einem handgemalten Schild, auf dem ein Kürbis und ein Huhn zu sehen waren. Der Weg führte an einem alten Landgut vorbei, dessen Scheune ein halb eingefallenes Dach trug. Hohe Brennnesseln wuchsen an den Mauern. Ich blieb stehen und sah durch ein offenes Tor. Auf dem Hof stand ein Traktor, dessen Reifen tiefe Spuren in den weichen Boden gezogen hatten. Irgendwo klirrte eine Kette. Es roch nach Diesel und nassem Stroh. Das Landgut wirkte, als hätte es den Wandel der Zeit verschlafen und sei nun überrascht, dass noch jemand vorbeikam. Ich ging weiter, den Stimmen entgegen, die jetzt vom Markt herüberwehten.

Das erste Summen des Bauernmarkts.

Der Bauernmarkt in Dohna begann nicht mit einem Schlag, sondern mit einem Summen. Es hing in der Luft, ein Gemisch aus Gesprächen, dem Klappern von Kisten und dem Rufen einer Frau, die den Preis für Eier ausrief. Ich trat auf den Platz, und sofort war ich umgeben von Ständen, die sich aneinanderreihten wie bunte Wagen einer langen Karawane. Holztische bogen sich unter Körben voller Äpfel, Rüben, Karotten und Kräutern, deren Duft schwer und würzig in der Luft lag. Ein Mann schnitt dünne Scheiben von einem geräucherten Schinken und reichte sie auf einem Pappteller über den Tisch. Ich nahm ein Stück. Der Geschmack war salzig, rauchig, voller Wärme. Ich kaute langsam und sah mich um. Hier war der sächsisch-böhmische Bauernmarkt kein Ort, den man besuchte. Er war ein Tier, das atmete, schnaufte und ab und zu laut lachte.

Becks Obstscheune.

Am Rand des Marktes stand die Becks Obstscheune, ein flacher Bau mit einem Schild über der Tür, auf dem ein Apfel in leuchtendem Rot gemalt war. Ich trat ein, und der Geruch von reifen Früchten schlug mir entgegen, süß und erdig zugleich. In flachen Holzkisten lagen Äpfel, Birnen und die letzten Quitten des vergangenen Jahres. Eine ältere Frau mit einer grünen Schürze ordnete gerade Bündel aus Rhabarber. Ihre Hände bewegten sich ruhig, als hätten sie diese Arbeit schon tausendmal getan und nie genug davon bekommen. Ich nahm eine Birne in die Hand. Sie war fest, leicht rau, und an ihrer Schale klebte noch ein winziges Blatt. Die Frau sah mich an. Probieren Sie, sagte sie. Ich biss hinein. Der Saft lief mir über das Kinn, kalt und süß. Ich wischte ihn mit dem Handrücken ab und kaufte gleich ein halbes Dutzend.

Das Hühnerhaus von Neueborthen.

Der Neueborthener Bauernmarkt lag ein Stück außerhalb, und dort stand das Hühnerhaus. Es war ein niedriger Bau aus Holz, mit einem kleinen Auslauf, in dem Hühner umherliefen, als wüssten sie genau, dass sie die eigentlichen Stars dieses Marktes waren. Eine Henne mit zerzaustem Gefieder saß auf einem umgedrehten Eimer und beäugte mich mit einem Blick, der an stille Verachtung grenzte. Ein Hahn stolzierte über den Hof, blieb stehen, warf den Kopf zurück und krähte. Der Laut fuhr mir durch die Knochen. Ein Kind neben mir hielt sich die Ohren zu und lachte. Ich beugte mich zu dem Drahtzaun hinunter und beobachtete, wie eine kleine, weiße Henne mit erstaunlicher Würde über einen Strohballen kletterte. In ihrem Auge lag keine Eile. Nur die Gewissheit, dass alles, was hier passierte, letztlich unter ihrer Aufsicht stand.

Die Händlerin mit dem Brot.

Zwischen den Ständen entdeckte ich eine Frau, die Brote aus einem Weidenkorb hob. Sie trug eine braune Schürze, und ihre Hände waren mit Mehl bestäubt, ein feiner, heller Film, der im Licht schimmerte. Ich trat näher, und sie legte ein rundes, dunkles Brot auf ein Holzbrett. Das ist ein Dinkelbrot, sagte sie, ohne aufzusehen. Gebacken heute früh. Ich sah zu, wie sie es mit einem langen Messer anschnitt. Die Kruste brach mit einem leisen Knistern. Ich kaufte ein halbes, und sie wickelte es in ein Stück Papier, das sie mit einer geübten Bewegung faltete. Während sie arbeitete, erzählte sie, dass ihr Ofen schon seit zwanzig Jahren jeden Samstag um vier Uhr morgens angeheizt werde. Ihr Mann, sagte sie, behaupte, das Brot schmecke nur deshalb so gut, weil es die Stille des frühen Morgens in sich trage. Ich lachte. Sie nicht. Sie schob mir das Brot über den Tisch und lächelte erst, als ich den ersten Bissen nahm.

Der Markt und seine kleinen Überraschungen.

Auf dem Rückweg durch den Markt kaufte ich ein Glas Honig, dessen Etikett von Hand beschriftet war, und ein Bündel Kräuter, die nach Zitrone rochen. An einem Stand mit Ziegenkäse geriet ich in ein Gespräch mit einem Mann, der mir erklärte, dass seine Ziegen alle Namen hätten. Die eine, sagte er, heiße Frieda und sei eine Diva. Die andere, Rosalie, gebe nur Milch, wenn man ihr vorher etwas vorsinge. Ich fragte, was er ihr vorsinge. Er schaute mich an, als sei die Frage töricht. Na, sächsische Volkslieder, sagte er. Was sonst. Ich steckte den Käse in meine Tasche und spürte eine merkwürdige Zufriedenheit. Der Markt hatte längst begonnen, meine Erwartungen zu verschieben. Ich war nicht mehr der Besucher. Ich war Teil des Personals geworden, ein Statist in einem Theaterstück, das niemand geprobt hatte und das trotzdem jeden Samstag weiterging.

Die Heimfahrt durch Lockwitz.

Die Heimfahrt begann in Lockwitz, wo die Straßen schmaler wurden und die Häuser sich hinter Hecken zurückzogen. Ich fuhr langsam, das Fenster halb geöffnet. Der Geruch von frisch gepflügten Feldern wehte herein, dazu das schwache Aroma von Holunder, das von irgendwoher kam. Ein älterer Mann schob ein Fahrrad über die Straße, auf dem Gepäckträger saß ein Korb mit Einkäufen. Er hob die Hand, als wolle er mich grüßen oder auch nur die Fliegen verscheuchen. Ich grüßte zurück. In Lockwitz wirkte der Frühling noch zögerlich, aber die Vögel waren laut. Ihr Gesang schien sich in den Hecken zu verfangen und dort weiterzusummen, auch nachdem ich längst vorbeigefahren war.

Prohlis und die Stille der Vorstadt.

Prohlis empfing mich mit einer seltsamen Ruhe. Die großen Wohnblöcke standen in der Sonne, und zwischen ihnen lagen Grünflächen, auf denen Kinder spielten. Ich hielt an einem Kiosk, um eine Flasche Wasser zu kaufen. Der Verkäufer, ein junger Mann mit müden Augen, tippte den Preis ein und schob mir die Flasche über die Theke. Draußen auf einer Bank saßen zwei Frauen und unterhielten sich leise. Der Wind trug Fetzen ihres Gesprächs zu mir herüber, Worte, die sich zu keinem Sinn fügen wollten. Ich trank das Wasser und dachte daran, wie selten es war, einfach irgendwo zu stehen und nichts zu müssen. Prohlis forderte nichts von mir. Das war ein Geschenk.

Strehlen und die stille Verwandlung.

In Strehlen hielt ich an einer Ampel und sah eine alte Straßenbahn vorbeifahren. Ihr Wagenkasten war rostig, die Scheiben blind. Sie rumpelte durch die Kurve, als hätte sie es eilig, aus ihrer eigenen Zeit zu entkommen. Ich musste lächeln. Strehlen war ein Ort, den ich oft durchquerte, ohne ihn wirklich zu sehen. Heute sah ich ihn. Die Fassaden der Gründerzeithäuser waren von der Sonne warm gezeichnet, und in den kleinen Vorgärten blühten Narzissen. Ich dachte an den Markt, an die Birne, die ich gegessen hatte, an das Brot, das in meiner Tasche lag und dessen Kruste noch immer leicht nach Rauch roch. Der Ausflug war kurz gewesen, aber er hatte etwas verschoben. In meinem Kopf, in meiner Wahrnehmung dieser südlichen Stadtviertel, in meinem Gefühl für das, was ein Samstag sein konnte.

Ein letzter Halt am S-Bahnhof.

Am S-Bahnhof Dresden-Niedersedlitz hielt ich noch einmal an. Der Zug nach Hause würde erst in zwanzig Minuten kommen. Ich setzte mich auf eine Bank und wickelte das Brot aus dem Papier. Die Hälfte hatte ich auf dem Markt gegessen, der Rest lag noch da, fest und dunkel. Ich brach ein Stück ab und aß es. Der Geschmack war voll, nussig, mit einer leichten Säure. Ich dachte an die Händlerin und ihren Satz über die Stille des frühen Morgens. Vielleicht hatte sie recht. Vielleicht schmeckte man in einem guten Brot nicht nur Mehl und Wasser, sondern auch die Stunden, in denen die Welt noch geschlafen hatte. Der Wind wehte ein leeres Papiertaschentuch über den Bahnsteig. Ich hob es auf und warf es in den Abfallkorb neben der Bank.

Zurück in Leuben.

Als ich in Leuben ausstieg, war der Nachmittag schon weit fortgeschritten. Die Sonne stand tief und warf lange Schatten auf die Straße. Ich ging zu Fuß nach Hause, den Beutel mit den Einkäufen in der Hand. Der Honig klebte leicht, wo er ausgelaufen war. Mein Rücken war warm von der Sonne, meine Füße müde vom Gehen. Aber in meiner Brust trug ich ein Gefühl, das ich nicht benennen konnte. Es war kein Glück, nicht das laute. Eher eine Art stiller Genugtuung, eine kleine, verlässliche Freude. Der sächsisch-böhmische Bauernmarkt in Dohna war kein Ort des Spektakels. Er war ein Ort der Wiederholung, des ruhigen Weiterlebens. Und genau das machte ihn groß.

Epilog.

Am Abend saß ich in der Küche und aß eine der Birnen aus der Becks Obstscheune. Sie war noch kühl, der Saft rann mir über die Finger. Draußen wurde der Himmel langsam dunkel, und die ersten Lichter in den Fenstern der Nachbarhäuser gingen an. Ich dachte an das Hühnerhaus, an die Henne auf dem Eimer, an den Hahn, der gekräht hatte. An die Frauen in Prohlis, deren Worte der Wind verwehte. An den Kioskverkäufer mit den müden Augen. Der Tag war eine Sammlung kleiner Bilder geworden, die sich in meinem Kopf zu einer Geschichte ordneten. Einer Geschichte, die nicht von großen Dingen handelte, sondern von den leisen. Von einem Markt, der die Leute nicht betrog. Von einem Brot, das nach Morgen schmeckte. Und von der Erkenntnis, dass man manchmal nur ein paar Kilometer fahren muss, um anzukommen.

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