Dresden

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Allein in der Höhle des

ich werde allein gehen; diese guten Leute bilden sich ein, daß ihre große Göttin Luna herabgekommen sei, um ihnen einen Besuch zu machen, ich werde durch ihren Aberglauben […] Mehr lesen

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Ich nahm eine der

und that, als ob ich lud. Dann zielte ich in die Höhe und gab den Zweig an, von welchem fünf Galläpfel verschwinden sollten. Ich drückte fünfmal los, und die Aepfel waren […] Mehr lesen

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Im Bann des Sächsisch-böhmischen Bauernmarkts
Eine humorvolle Tour durch Dohna, von Leuben bis Kleinluga

Of Vitamins and Crazy Chickens English translation available * Of Vitamins and Crazy Chickens.

🍐 Fundstück in einem Weidenkorb, zwischen Brotkrümeln und einem winzigen Blatt: Dies ist Fiktion. Aber die Birne, deren Saft dir gleich über das Kinn laufen wird, ist echt. Der Geruch von feuchtem Stroh. Das Knistern einer Dinkelkruste, die im Licht schimmert. Der Schrei eines Hahns, der dich nichts kennt und trotzdem kräht, weil er dich erwartet. Dies ist kein Reiseführer. Es ist keine Erzählung über Orte bei Dresden. Es ist eine Geschichte, die dich einlädt, selbst einzukaufen, mit deiner Neugier als besondere Währung. Setz dich auf die Bank am S-Bahnhof Dresden-Niedersedlitz. Wickel das Brot aus dem Papier. Beiß hinein. Was du schmeckst, entscheidest du. Willkommen im Summen, das nicht aufhört.

Von Vitaminen und verrückten Hühnern.

Der Morgen, an dem ich beschloss, meinen Vitaminhaushalt nicht länger dem Zufall zu überlassen, begann mit dem Geruch von feuchtem Asphalt und dem fernen Klingeln einer Straßenbahn. Es war einer dieser Frühlingstage, an denen die Luft nach Aufbruch schmeckt, nach Erde, die sich langsam erwärmt, und nach der Unruhe, die in den Bäumen steckt, bevor sie ausschlagen. Ich stand neben meinem Auto, die Hände in den Taschen einer Jacke, die zu warm war, und sah zu, wie die Stadt Dresden sich streckte. Der Himmel über Dresden hatte ein zögerliches Blau. Es war Samstag. Vor mir lag ein Ziel, das ich seit Wochen vor mir hergeschoben hatte: Kleinluga, der sächsisch-böhmische Bauernmarkt in Dohna. Ich hatte davon gehört, von Menschen, die mit leuchtenden Augen von frischen Eiern, knackigen Äpfeln und einem Hühnerhaus sprachen, das außerhalb jeder Vernunft lag. Heute wollte ich es selbst sehen. Ich startete den Motor. Das Radio meldete zähen Verkehr auf der B172.

Wissenswertes – Der sächsisch-böhmische Bauernmarkt

„Sächsisch-böhmisch“ ist keine Route, sondern eine leckere Küche: Dill, Kümmel, Meerrettich, Klöße, Sauerkraut, dunkles Brot. Märkte zwischen Elbe und Eger gab es schon im Mittelalter. Was heute Attraktion ist, war früher Notwendigkeit, und umgekehrt.

Rote Ampel am S-Bahnhof Dresden-Niedersedlitz.

Am S-Bahnhof Dresden-Niedersedlitz bremste ich. Die Ampel stand auf Rot, die Lichtsignalanlage Lugaer Straße, Bahnhofstraße regelte den Verkehr der Straßenbahnlinie 6 auf den Gleisen zur Wendeschleife. Vom Bahnhof roch es nach kalter Milch und dem Staub der letzten Nacht. Zwei Tauben verhandelten auf dem Fußweg um eine Brotkruste. Eine junge Frau mit einem Fahrrad fuhr auf dem Fußweg vorbei. Dann sprang die Ampel um. Hinter mir blieb der Bahnhof mit seinen Tauben. Nach ein paar Minuten erreichte ich die B172. Die Stadt trat zurück. Die Landschaft öffnete sich. Felder, noch kahl, dazwischen Obstbäume, deren Zweige in der Sonne glänzten. Der Frühling war spät dran, aber er war unterwegs. Was mich auf dem Markt erwartete, wusste ich nicht. Ein Bauernmarkt ist eine Bühne. Die Frage war nur, wer darauf stand.

Wissenswertes – S-Bahnhof Dresden-Niedersedlitz

Der Bahnhof Niedersedlitz liegt an der 1848 eröffneten Strecke Dresden–Bodenbach, einer der ältesten Fernbahnlinien Deutschlands. Von hier rollten einst Kohlewagen aus dem Döhlener Becken in die Stadt. Heute halten nur noch S-Bahnen der Linien S1 und S2. Die Straßenbahnlinie 6 wendet direkt vor dem Empfangsgebäude – eine Konstruktion, die Verkehrsplaner lieben und Autofahrer hassen. Und die Tauben? Verhandeln seit Jahrzehnten dieselbe Brotkruste. Bisher ohne Ergebnis.

Zwei Krähen und ein Wegweiser.

Kurz hinter Niedersedlitz bremste ich an einer Kreuzung. Zwei Krähen saßen auf einem Wegweiser und wollten nicht weichen. Die eine hackte nach der anderen. Dann flogen sie weiter. Ich fuhr auch weiter. Vor mir lag Kleinluga.

Wissenswertes – Die Krähen und die Elbe

Dresden liegt mitten in einer der merkwürdigsten Zonen Europas, einer Hybridzone zwischen Rabenkrähe und Nebelkrähe. Westlich der Elbe brütet die tiefschwarze Rabenkrähe, östlich die grau-schwarze Nebelkrähe. Die Trennlinie ist nur 20 bis 50 Kilometer breit und verläuft, ausgerechnet, entlang der Elbe. In dieser Zone paaren sich beide Arten, und ihre Nachkommen sind weder schwarz noch grau, sondern irgendwas dazwischen. Die Forscher nennen das „Artbildungsprozess“. Für den Laien ist es eine Krähe, die nicht weiß, ob sie nun westlich oder östlich wohnt.
Im Stadtgebiet Dresden leben schätzungsweise bis zu 2.400 Brutpaare. Ihre bevorzugten Reviere: die Platanen am Zwinger, der Baumbestand am Landtag, die Neustadt und der Große Garten. Wer im Mai oder Juni dort spazieren geht, sollte wissen: Kräheneltern verteidigen ihre Jungvögel, die bei den ersten Flugversuchen schon mal auf dem Boden landen. Nicht wegrennen. Das provoziert. Und leuchtend rote Kopfbedeckungen sind in dieser Zeit keine gute Idee.

Ankunft in Kleinluga.

In Kleinluga parkte ich am Straßenrand, und der Wind wehte mir eine Wolke feuchter Wiese entgegen. Der Ort lag ruhig da, ein paar Häuser, eine Straße, die sich in die Felder verlor. Ich folgte einem handgemalten Schild, auf dem ein Kürbis und ein Huhn zu sehen waren. Der Weg führte an einem alten Landgut vorbei, dessen Scheune ein halb eingefallenes Dach trug. Hohe Brennnesseln wuchsen an den Mauern. Ich blieb stehen und sah durch ein offenes Tor. Auf dem Hof stand ein Traktor, dessen Reifen tiefe Spuren in den weichen Boden gezogen hatten. Irgendwo klirrte eine Kette. Es roch nach Diesel und nassem Stroh. Das Landgut wirkte, als hätte es den Wandel der Zeit verschlafen und sei nun überrascht, dass noch jemand vorbeikam. Ich ging weiter, den Stimmen entgegen, die jetzt vom Markt herüberwehten.

Wissenswertes – Kleinluga und das Landgut

Kleinluga wurde 1378 erstmals urkundlich erwähnt, als Lug minor, wirklich klein, zur Unterscheidung vom benachbarten Großluga. Der Name stammt aus dem Altsorbischen und bedeutet „Gras- oder Niederungsort“. Bis etwa 1500 war der Ort ein Lehen der Grafen von Dohna, litt unter den Kriegszeiten 1402, 1682, 1706, 1813 und teilte sich das Wasser mit dem Nachbarn. Die hölzerne Röhrfahrt von 1572 endete am Dorfwassertrog, ein früher Fall von kommunaler Wasserwirtschaft, die heute als Denkmal am Teich noch zu besichtigen ist.
Das Landgut, das der Erzähler passiert, steht in einer langen Tradition. Viele Höfe rund um Dohna waren jahrhundertelang adelig, wurden nach 1945 enteignet, dann von der LPG genutzt, nach der Wende meist vergessen. Was heute halb eingefallen aussieht, war einmal das Zentrum eines Dorfes. Der Traktor auf dem Hof ist kein Museumsstück, sondern ein Überlebender. Der Geruch nach Diesel und nassem Stroh gehört zu Sachsens Dörfern wie der Klang der Straßenbahn zur Stadt. Die Brennnesseln an den Mauern übrigens waren einst eine der wichtigsten Nutzpflanzen überhaupt, Garn, Heilmittel, Aphrodisiakum. Heute wächst sie wieder, wo niemand sie stört.

Das erste Summen des Bauernmarkts.

Der Bauernmarkt in Dohna begann nicht mit einem Schlag, sondern mit einem Summen. Es hing in der Luft, ein Gemisch aus Gesprächen, dem Klappern von Kisten und dem Rufen einer Frau, die den Preis für Eier ausrief. Ich trat auf den Platz, und sofort war ich umgeben von Ständen, die sich aneinanderreihten wie bunte Wagen einer langen Karawane. Holztische bogen sich unter Körben voller Äpfel, Rüben, Karotten und Kräutern, deren Duft schwer und würzig in der Luft lag. Ein Mann schnitt dünne Scheiben von einem geräucherten Schinken und reichte sie auf einem Pappteller über den Tisch. Ich nahm ein Stück. Der Geschmack war salzig, rauchig, voller Wärme. Ich kaute langsam und sah mich um. Hier war der sächsisch-böhmische Bauernmarkt kein Ort, den man besuchte. Er war ein Tier, das atmete, schnaufte und ab und zu laut lachte.

Wissenswertes – Bauernmarkt Dohna

In Dohna und seinen Ortsteilen gibt es zwei Märkte. Der Sächsisch-Böhmische Bauernmarkt in Röhrsdorf, heute Apfelhof Dohna, auf dem ehemaligen Wirtschaftshof des Schlosses Röhrsdorf, hat seine Hofläden und Geschäfte, darunter Becks Obstscheune, die ganze Woche geöffnet: Dienstag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 16 Uhr, Sonntag 10 bis 16 Uhr, Montag ist Ruhetag.
Die großen Themenmärkte wie der Herbstbauernmarkt und Becks Hoffest laufen als Wochenend-Events, das nächste Doppeljubiläum ist für den 17. und 18. Oktober 2026 angesetzt.
Der Neueborthener Bauernmarkt in Borthen, Neuborthener Straße 16, öffnet Montag 14 bis 17 Uhr, Dienstag und Mittwoch 9 bis 17 Uhr, Donnerstag und Freitag 9 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 12 Uhr, Sonntag geschlossen.
Händler bieten Eier, Obst, Gemüse, Honig, Käse, Wurst, Brot und Kräuter an. Wer früh kommt, bekommt die besten Stücke. Wer zu spät kommt, bekommt den Rest und die Geschichte dazu.

Becks Obstscheune.

Am Rand des Marktes stand die Becks Obstscheune, ein flacher Bau mit einem Schild über der Tür, auf dem ein Apfel in leuchtendem Rot gemalt war. Ich trat ein, und der Geruch von reifen Früchten schlug mir entgegen, süß und erdig zugleich. In flachen Holzkisten lagen Äpfel, Birnen und die letzten Quitten des vergangenen Jahres. Eine ältere Frau mit einer grünen Schürze ordnete gerade Bündel aus Rhabarber. Ihre Hände bewegten sich ruhig, als hätten sie diese Arbeit schon tausendmal getan und nie genug davon bekommen. Ich nahm eine Birne in die Hand. Sie war fest, leicht rau, und an ihrer Schale klebte noch ein winziges Blatt. Die Frau sah mich an. Probieren Sie, sagte sie. Ich biss hinein. Der Saft lief mir über das Kinn, kalt und süß. Ich wischte ihn mit dem Handrücken ab und kaufte gleich ein halbes Dutzend.

Wissenswertes – Obst aus dem Elbtal

Im Elbtal reifen Äpfel, Birnen, Quitten, Kirschen und Pflaumen, begünstigt durch das milde Tal-Klima zwischen Radebeul, Pillnitz und Dohna. Sorten wie „Sächsischer König“ oder „Biesterfelder Renette“ waren früher Standard, heute Liebhaberstücke. Ausgerechnet dort, wo Touristen nur durchfahren, wachsen die beste Früchtchen.

Das Hühnerhaus von Neueborthen.

Der Neueborthener Bauernmarkt lag ein Stück außerhalb, und dort stand das Hühnerhaus. Es war ein niedriger Bau aus Holz, mit einem kleinen Auslauf, in dem Hühner umherliefen, als wüssten sie genau, dass sie die eigentlichen Stars dieses Marktes waren. Eine Henne mit zerzaustem Gefieder saß auf einem umgedrehten Eimer und beäugte mich mit einem Blick, der an stille Verachtung grenzte. Ein Hahn stolzierte über den Hof, blieb stehen, warf den Kopf zurück und krähte. Der Laut fuhr mir in die Knochen. Ein Kind neben mir hielt sich die Ohren zu und lachte. Ich beugte mich zu dem Drahtzaun hinunter und beobachtete, wie eine kleine, weiße Henne mit erstaunlicher Würde über einen Strohballen kletterte. Ohne jede Eile. Nur die Gewissheit, dass alles, was hier passierte, letztlich unter ihrer Aufsicht stand.

Wissenswertes – Hühner in Sachsen

Das Sachsenhuhn ist eine echte, historische Rasse, Ende des 19. Jahrhunderts im Erzgebirge gezüchtet, robust, genügsam, winterhart, gute Legeleistung. Heute gilt es als stark gefährdet. Eine zweite sächsische Rasse ist das Dresdner Huhn. Der sagenhafte „Sächsische Krähwinkler“ dagegen existiert nicht wirklich. Krähwinkel ist ein erfundener Ort, sprichwörtlich für provinzielle Spießbürgerlichkeit. Echte Langkräherrassen wie der Bergische Kräher stammen aus Nordrhein-Westfalen und wären in Sachsen in der Pfanne gelandet.
Ein Hahn kräht je nach Rasse, mit bis zu 142 Dezibel direkt am eigenen Ohr, die Liga von Kettensäge, Presslufthammer oder Düsenjet in nächster Nähe. Dass er davon nicht taub wird, verdankt er einem anatomischen Trick: Beim Öffnen des Schnabels schließt sich sein Gehörgang wie ein eingebauter Ohrstöpsel. Die Henne auf dem Eimer schweigt dazu. Sie weiß, wer zu laut kräht, verliert.

Die Händlerin mit dem Brot.

Zwischen den Ständen entdeckte ich eine Frau, die Brote aus einem Weidenkorb hob. Sie trug eine braune Schürze, und ihre Hände waren mit Mehl bestäubt, ein feiner, heller Film, der im Licht schimmerte. Ich trat näher, und sie legte ein rundes, dunkles Brot auf ein Holzbrett. Das ist ein Dinkelbrot, sagte sie, ohne aufzusehen. Gebacken heute früh. Ich sah zu, wie sie es mit einem langen Messer anschnitt. Die Kruste brach mit einem leisen Knistern. Ich kaufte ein halbes, und sie wickelte es in ein Stück Papier, das sie mit einer geübten Bewegung faltete. Während sie arbeitete, erzählte sie, dass ihr Ofen schon seit zwanzig Jahren jeden Samstag um vier Uhr morgens angeheizt werde. Ihr Mann, sagte sie, behaupte, das Brot schmecke nur deshalb so gut, weil es die Stille des frühen Morgens in sich trage. Ich lachte. Sie nicht. Sie schob mir das Brot über den Tisch und lächelte erst, als ich den ersten Bissen nahm.

Wissenswertes – Dinkelbrot aus dem Dorfofen

Dinkel ist eine der ältesten Getreidearten Europas und war vor dem Weizen die Brotbasis in Sachsen. Bauernöfen wurden früher alle paar Wochen angeheizt und für viele Brote gleichzeitig genutzt, eine Gemeinschaftsarbeit. Heute backen nur noch wenige Bäcker mit diesem Verfahren. Ein Satz, den Bäcker gern sagen: „Brot ist nicht Mehl, Wasser und Hefe. Brot ist Zeit.“

Der Markt und seine kleinen Überraschungen.

Auf dem Rückweg durch den Markt kaufte ich ein Glas Honig, dessen Etikett von Hand beschriftet war, und ein Bündel Kräuter, die nach Zitrone rochen. An einem Stand mit Ziegenkäse geriet ich in ein Gespräch mit einem Mann, der mir erklärte, dass seine Ziegen alle Namen hätten. Die eine, sagte er, heiße Frieda und sei eine Diva. Die andere, Rosalie, gebe nur Milch, wenn man ihr vorher etwas vorsinge. Ich fragte, was er ihr vorsinge. Er schaute mich an, als sei die Frage töricht. Na, sächsische Volkslieder, sagte er. Was sonst. Ich steckte den Käse in meine Tasche und spürte eine merkwürdige Zufriedenheit. Der Markt hatte längst begonnen, meine Erwartungen zu verschieben. Ich war nicht mehr der Besucher. Ich war Teil des Personals geworden, ein Statist in einem Theaterstück, das niemand geprobt hatte und das trotzdem jeden Samstag weiterging.

Wissenswertes – Elbtal-Ziegen

Ziegen wurden im Elbtal seit dem Mittelalter gehalten, als Milch-, Fleisch- und Lederlieferanten für arme Familien. Eine gute Milchziege gibt heute zwei bis vier Liter Milch pro Tag. Sie brauchen keine Weide, nur Beschäftigung. Wer eine Ziege hat, hat immer einen Namen zu vergeben. Frieda. Rosalie. Warum? Weil eine Ziege ohne Namen nur ein Tier ist. Mit Namen gehört sie zur Familie.

Die Heimfahrt durch Lockwitz.

Die Heimfahrt begann in Lockwitz, wo die Straßen schmaler wurden und die Häuser sich hinter Hecken zurückzogen. Ich fuhr langsam, das Fenster halb geöffnet. Der Geruch von frisch gepflügten Feldern wehte herein, dazu das schwache Aroma von Holunder, das von irgendwoher kam. Ein älterer Mann schob ein Fahrrad über die Straße, auf dem Gepäckträger saß ein Korb mit Einkäufen. Er hob die Hand, als wolle er mich grüßen oder auch nur die Fliegen verscheuchen. Ich grüßte zurück. In Lockwitz wirkte der Frühling noch zögerlich, aber die Vögel waren laut. Ihr Gesang schien sich in den Hecken zu verfangen und dort weiterzusummen, auch nachdem ich längst vorbeigefahren war.

Wissenswertes – Lockwitz

Lockwitz wurde 1286 erstmals erwähnt und war bis 1930 eigenständig. Der Name stammt vom altsorbischen Lokvica „Bach in den Wiesen“. Bis heute ist Lockwitz ein Ort der Gegensätze, enge Gassen am Schloss, weite Felder am Ortsrand, und dazwischen der Bach, der immer noch Lockwitzbach heißt. Der Holunder, den der Erzähler riecht, wächst hier wild an jedem Zaun.

Prohlis und die Stille der Vorstadt.

Prohlis empfing mich mit einer seltsamen Ruhe. Die großen Wohnblöcke standen in der Sonne, und zwischen ihnen lagen Grünflächen, auf denen Kinder spielten. Ich hielt an einem Kiosk, um eine Flasche Wasser zu kaufen. Der Verkäufer, ein junger Mann mit müden Augen, tippte den Preis ein und schob mir die Flasche über die Theke. Draußen auf einer Bank saßen zwei Frauen und unterhielten sich leise. Der Wind trug Fetzen ihres Gesprächs zu mir herüber, Worte, die sich zu keinem Sinn fügen wollten. Ich trank das Wasser und dachte daran, wie selten es war, einfach irgendwo zu stehen und nichts zu müssen. Prohlis forderte nichts von mir. Das war ein Geschenk.

Wissenswertes – Prohlis

Prohlis war ein kleines Dorf, wurde 1921 eingemeindet und wurde später zum größten Neubaugebiet Dresdens ausgebaut. Bis 1990 entstanden hier fast 30.000 Wohnungen für rund 70.000 Menschen. Der Name stammt aus dem Altsorbischen und bedeutet „Feldstück“. Heute wohnen noch etwa 40.000 Menschen auf dem Feldstück. Und zwischen den Plattenbauten liegt mehr Grün, als jeder Neubauplaner heute zugestehen würde.
Nur wenige wissen, das einst mitten im Plattenbauviertel ein Schloss stand. An der Georg-Palitzsch-Straße 4, auf dem Gelände einer mittelalterlichen Wasserburg um 1300, ließ Freiherr von Kap-herr 1887/88 ein Neorenaissance-Schloss errichten, entworfen von Lockwitzer Architekten, Schülern Gottfried Sempers. Nach 1945 enteignet, geplündert, als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Im Dezember 1980 brannte es ab, vermutlich Brandstiftung. 1985, mitten im Aufbau des Neubaugebiets, riss man die Ruine ab. Geblieben sind der Schlosspark, das Prohliser Wäldchen, eine Infostele am ehemaligen Standort und das Palitzsch-Museum in der Gamigstraße 24 mit originalen Fragmenten. Ein Schloss, das heute nur noch aus Grün besteht.

Strehlen und die stille Verwandlung.

In Strehlen hielt ich an einer Ampel und sah eine alte Straßenbahn vorbeifahren. Ihr Wagenkasten war rostig, die Scheiben blind. Sie rumpelte durch die Kurve, als hätte sie es eilig, aus ihrer eigenen Zeit zu entkommen. Ich musste lächeln. Strehlen war ein Ort, den ich oft durchquerte, ohne ihn wirklich zu sehen. Heute sah ich ihn. Die Fassaden der Gründerzeithäuser waren von der Sonne warm gezeichnet, und in den kleinen Vorgärten blühten Narzissen. Ich dachte an den Markt, an die Birne, die ich gegessen hatte, an das Brot, das in meiner Tasche lag und dessen Kruste noch immer leicht nach Rauch roch. Der Ausflug war kurz gewesen, aber er hatte etwas verschoben. In meinem Kopf, in meiner Wahrnehmung dieser südlichen Stadtviertel, in meinem Gefühl für das, was ein Dresdner Samstag sein konnte.

Wissenswertes – Strehlen

Strehlen wurde 1287 erstmals erwähnt und 1892 nach Dresden eingemeindet. Der Name stammt vom altsorbischen Streln „Schützenort“, vermutlich ein Hinweis auf eine frühere Jagd oder Wachsiedlung. Die Gründerzeithäuser rund um den Wasaplatz gehören zu den besterhaltenen in Dresden. Die Straßenbahnlinien 9 und 13 fuhren früher noch mit alten Wagen direkt in einer engen Kurve über den Wasaplatz und die kreuzende Franz-Liszt-Straße. Im Zuge des Großprojekts „Stadtbahn Dresden“ wurde die Strecke im Jahr 2019 auf die Oskarstraße, mitten durch den Kreisverkehr verlegt. Nur manchmal, wenn man genau hinsieht, sieht man sie noch, die Boten aus einer anderen Zeit.

Ein letzter Halt an der B172.

Kurz vor Dresden hielt ich noch einmal an, auf einem Parkplatz am Kaufpark, Dohnaer Straße 246. Nach Hause waren es noch zwanzig Minuten. Ich setzte mich auf eine Bank und wickelte das Brot aus dem Papier. Die Hälfte hatte ich auf dem Markt abgebissen, der Rest lag noch da, fest und dunkel. Ich brach ein Stück ab und aß es. Der Geschmack war voll, nussig, mit einer leichten Säure. Ich dachte an die Händlerin und ihren Satz über die Stille des frühen Morgens. Vielleicht hatte sie recht. Vielleicht schmeckte man in einem guten Brot nicht nur Mehl und Wasser, sondern auch die Stunden, in denen die Welt noch geschlafen hatte. Der Wind wehte ein leeres Papiertaschentuch über den Parkplatz. Ich hob es auf und warf es in den Abfallkorb neben der Bank.

Wissenswertes – B172 und Kaufpark

Die B172 beginnt heute in Pirna und endet am Grenzübergang Schmilka, insgesamt nur 27 Kilometer. Das historische Teilstück, das früher am Dresdner Georgplatz begann, wurde schnöde zur Staatsstraße S172 herabgestuft. Die Gesamtstrecke Dresden bis Grenze kommt so auf knapp 45 Kilometer. Entgegen landläufiger Vermutung war diese Route keine Salzstraße, sondern der Kulmer Steig, auch Böhmischer Steig genannt, eine mittelalterliche Handels- und Heerstraße. Echte Salzstraßen verliefen weiter westlich, etwa von Halle über Leipzig, Chemnitz und Sayda nach Prag.
Wer auf der B172 von der Grenze kommend Richtung Dresden fährt und am Langen Weg links abbiegt, landet direkt in der Gegenwart. Wo früher Felder waren, steht heute der Kaufpark an der Dohnaer Straße 246. Das frühere Einkaufszentrum wurde komplett abgerissen und neu gebaut, Eröffnung Herbst 2024. Über 100 Geschäfte, 1.800 kostenlose Parkplätze, Kaufland von 7 bis 22 Uhr, die Mall von 10 bis 20 Uhr. Busse 66, 86, 88 halten an der Haltestelle Kaufpark Nickern, die Straßenbahn-Endhaltestelle Prohlis ist wenige Minuten zu Fuß. Wer das Salz in der Suppe sucht, findet es hier, auch ohne Salzstraße.

Zurück in Leuben.

Als ich in Leuben den Motor abstellte, war der Nachmittag schon weit fortgeschritten. Die Sonne stand tief und warf lange Schatten auf die Straße. Ich ging zu Fuß nach Hause, den Beutel mit den Einkäufen in der Hand. Der Honig klebte leicht, wo er ausgelaufen war. Mein Rücken war warm von der Sonne, meine Füße müde vom Gehen. Aber in meiner Brust trug ich ein Gefühl, das ich nicht benennen konnte. Es war kein Glück, nicht das laute. Eher eine Art stiller Genugtuung, eine kleine, verlässliche Freude. Der sächsisch-böhmische Bauernmarkt in Dohna war kein Ort des Spektakels. Er war ein Ort der Wiederholung, des ruhigen Weiterlebens. Und genau das machte ihn groß.

Wissenswertes – Leuben

Leuben war bis 1921 eigenständig, heute ist es einer der bevölkerungsreichsten Stadtteil Dresdens. Der Name stammt vom altsorbischen lub – „Bast, Rinde“. Ausgerechnet. Wer in Leuben wohnt, wohnt also etymologisch in der Rinde. Die Straßenbahnlinie 6 fährt hier auf ihrer 19,1 Kilometer langen Strecke zwischen Niedersedlitz und Wölfnitz, Fahrzeit rund 62 Minuten. Wer bis Weinböhla will, muss in die Linie 4 umsteigen. Die bringt es auf 30,3 Kilometer und 84 Minuten. Sachsen in klein gibt es also nicht auf einer Linie, sondern nur auf zweien.

Epilog.

Am Abend saß ich in der Küche und aß eine der Birnen aus der Becks Obstscheune. Sie war noch kühl, der Saft rann mir über die Finger. Draußen wurde der Himmel langsam dunkel, und die ersten Lichter in den Fenstern der Nachbarhäuser gingen an. Ich dachte an das Hühnerhaus, an die Henne auf dem Eimer, an den Hahn, der gekräht hatte. An die Frauen in Prohlis, deren Worte der Wind verwehte. An den Kioskverkäufer mit den müden Augen. Der Tag war eine Sammlung kleiner Bilder geworden, die sich in meinem Kopf zu einer Geschichte ordneten. Einer Geschichte, die nicht von großen Dingen handelte, sondern auch von den leisen. Von einem Markt, der die Leute nicht betrog. Von einem Brot, das nach Morgen schmeckte. Und von der Erkenntnis, dass man manchmal nur ein paar Kilometer fahren muss, um anzukommen.

Wissenswertes – Birne, Brot und Stille

Birnen sind nach Äpfeln das zweithäufigste Obst im deutschen Anbau. Sie reifen nach der Ernte nach und verlieren dabei Wasser, gewinnen aber Aroma. Ein gutes Bauernbrot hält sich, richtig gelagert, bis zu einer Woche. Beides, Birne und Brot, schmecken am besten, wenn man sie nicht sofort isst, sondern kurz innehält. Manche Dinge brauchen Zeit. Andere nur Stille.


Mit herzlichem Dank,
einem Apfel in der Hand und einem Krähen im Ohr,
Ihr fahrender Berichterstatter zwischen Dohna und Dresden.

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*Der geneigte Leser möge verzeihen, dass dieser Bericht die Dinge beim Namen nennt, auch wenn die Namen längst gewechselt haben. Was heute Apfelhof heißt, war gestern Bauernmarkt, davor Wirtschaftshof, davor ein Stück Land, das niemanden kümmerte. Ortschilder wurden umgeschrieben, Straßennamen ausgetauscht, Kirchen abgerissen und Plattenbauten darüber gestellt. Geblieben sind die Gerüchte. Der Rest ist Verwaltung.

Quellenangaben:
Inspiriert von den absurden Momenten des täglichen Lebens und verwirrten Gedanken unserer skurrilen Welt.
TAG24 – Vom Bauernmarkt zum Apfelhof Dohna
PROVIEH – Das Sachsenhuhn
Wikiwand – Bundesstraße 172
Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen,
Meyers Konversations-Lexikon 3. Auflage 1874 - 1884
Wikipedia – Die freie Enzyklopädie
Verwendete Hilfsmittel / Methodik:
Dieser Text wurde zwischen Holztischen und Hühnerdraht zusammengelesen, ein Markt, ein Krähen, ein Bissen Brot, Strohstaub, Dinkelkruste und dem Echo eines Hahns, der sich nicht um Redaktionsschluss schert.
Wenig KI-generierter Inhalt mit viel EU-Transparenzpflicht Hinweis: Dieser Text entstand mit Hilfe diverser KI-Wesen aus nichtsächsischen Ländereien, wurde hinterher redaktionell gebändigt und mit folgenden Artefakten perfektioniert:
🔍 Das weltweite Google-Orakel, zeigt Spuren von der Gegenwart zur Vergangenheit.
📜 Papyrus Autor, Version 11.09d vom 16.5.2023, mein digitaler Helfer wandelte sächsisches Rohmaterial in deutsche Hochsprache.
🍎 Die Birnen-Kernschau, sezierte sechs Früchte aus Becks Obstscheune mit Refraktometer geprüft.
🐔 Das Hühner-Flüsterbuch, übersetzte Krählaute in Dezibel, Standort und soziale Rangordnung.
📜 Das Röhrfahrt-Archiv, kennt die hölzerne Wasserleitung von 1572 am Teich von Kleinluga.
🚗 Die B172-Spurensuche, folgte dem Kulmer Steig, verwechselte ihn einmal mit einer Salzstraße und entschuldigte sich schriftlich.
🍏 Der Krähen-Zähler am Wegweiser, notierte zwei Exemplare, ein Streitgespräch, null Ergebnis.
So ward aus einem Dinkelbrot ein Stück Zeit, aus einem Strohballen ein Thron, und aus einem Samstagvormittag in Dohna eine kleine Freude.


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